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Etwa 1 800 Sportler starten am 26. August beim Ironman 70.3 in Zell am See-Kaprun. Die Blicke der Einheimischen werden vor allem auf einen gerichtet sein: Lukas Hollaus, Pinzgaus Triathlon-Aushängeschild! Der „platzhirsch“ hat den 25-jährigen Profitriathleten aus Niedernsill vor dem Mega-Event zum Interview gebeten.

Lukas, welche Erinnerungen hast du an deinen ersten Triathlon?

Lukas Hollaus: „Puh, an den kann ich mich eigentlich kaum erinnern! Ich war zehn, da habe ich an einem Kinder-Triathloncup in Tirol teilgenommen, der aus mehreren Bewerben bestand. Ich weiß nur noch, dass ich furchtbar nervös war, da ich sehr, sehr schlecht schwimmen konnte! Für mich hat das Rennen erst am Rad richtig begonnen, da ich im Sattel - wie auch beim Laufen - meine Stärke voll ausspielen konnte.“

Du warst in deiner Jugend Läufer, Fußballer, Skifahrer und Ski-Freestyler, bevor du dich auf den Triathlon konzentriert hast: Wurde dir deine Leidenschaft fürs Sportliche in die Wiege gelegt?

Lukas Hollaus: „Absolut! Meine ganze Familie betreibt Sport, da war's natürlich klar, dass ich mitmache! Als meine beiden älteren Geschwister, Isabelle und Peter, und mein Vater mit dem Triathlon begannen, war's auch um mich geschehen!“

Was fasziniert dich so am Triathlon?

Lukas Hollaus: „Die Abwechslung! Und die Tatsache, dass nur ein kompletter Athlet wirklich Chancen hat, sich international zu behaupten. Er darf in keiner der drei Disziplinen Schwächen zeigen! Ebenso braucht er, um den Triathlonsport professionell zu betreiben, ein enorm hohes Maß an Ehrgeiz und Selbstdisziplin! Der Trainingsaufwand für die drei Ausdauersportarten ist ja unbeschreiblich hoch!“

Und genau dieser Ehrgeiz und diese Selbstdisziplin zeichnen dich aus! Wie muss man sich dein Trainingspensum vorstellen?

Lukas Hollaus: „Ich trainiere über 1 000 Stunden im Jahr! Mein Wochenmaximum beträgt 38 Stunden. Es setzt sich zusammen aus 35 Kilometer Schwimmen, 450 Kilometer Radfahren und 110 Kilometer Laufen. Im Schnitt schwimme ich 6- bis 7-mal pro Woche bis zu 7 Kilometer lange Einheiten, fahre 3- bis 6-mal pro Woche bis zu 5 Stunden Rad, laufe 5- bis 7-mal pro Woche bis zu 2 Stunden!“

Gibt es auch Tage, an denen die Motivation zu trainieren fehlt? Was tust du gegen Durchhänger?

Lukas Hollaus: „Diese Tage kommen immer wieder vor, aber ich habe große Ziele, an denen ich mich - auch wenn's manchmal schwer fällt - festhalte. Nur so kann ich im Profisport etwas erreichen! Überwinden muss ich mich aber ohnehin nur zum Start des Trainings. Habe ich meinen inneren Schweinehund besiegt, fühle ich mich großartig!“

Deine liebste und stärkste Disziplin ist das Laufen. Warum?

Lukas Hollaus: „Weil ich mit dem Laufen bereits von Kindheit an großen Spaß verbinde, und weil in dieser Disziplin im Wettkampf tatsächlich die Stärke des Athleten zählt. Beim Schwimmen gibt es den Wasserschatten, am Rad den Windschatten, die die Leistung verzerren.“

Wie geht's dir heute mit der Angst vorm Schwimmbewerb?

Lukas Hollaus: „Ich kämpfe mit dieser Disziplin! ;-) Darum liegt beim Schwimmen auch seit Jahren mein Trainingsschwerpunkt! Ich habe erst sehr spät mit dem Schwimmtraining begonnen, konnte bis zum 16. Lebensjahr noch nicht wirklich gut kraulen, darum habe ich so großen Nachholbedarf. Aber meine Entwicklung im Wasser schreitet schneller voran als ich gedacht hätte!“

2011 wurdest du Staatsmeister auf der olympischen Distanz: Welche Ziele hast du dir für diese Saison gesteckt?

Lukas Hollaus: „Ich möchte in der Weltrangliste unter die Top 120 kommen und so viel Weltcup- und WM-Luft schnuppern wie nur möglich!“

Stichwort Ironman Zell am See-Kaprun 70.3: Was sagst du dazu, dass die Region so eine Großveranstaltung an Land ziehen konnte?

Lukas Hollaus: „Der Ironman ist ein absolutes Highlight! Ich freue mich riesig über dieses Event! Am 26. August schaut die ganze Triathlonwelt nach Zell am See, und ich denke, dass der Bewerb den Startern besonders in Erinnerung bleiben wird, weil das Ambiente rund um den Zellersee so traumhaft ist!“

Was hast du dir für deinen Heim-Ironman vorgenommen?

Lukas Hollaus: „Dieses Rennen lasse ich einfach auf mich zukommen! Ich werde mich nicht speziell darauf vorbereiten, da im September und Oktober noch wichtige Weltcupbewerbe anstehen, die meinen absoluten Fokus erfordern. Dennoch denke ich, dass man mich auch auf der Mitteldistanz auf der Rechnung haben sollte.“

Die Blicke der Pinzgauer sind speziell auf dich gerichtet: Spürst du einen besonderen Druck?

Lukas Hollaus: „Nein, im Gegenteil! Ich reise extrem viel und bin oft alleine unterwegs. Dann fehlt am Ende meistens jemand, mit dem man sich gemeinsam freuen kann. Ich denke auch, dass mich die Pinzgauer einmal sehen, und nicht nur von mir in der Zeitung lesen, wollen. Sicher haben alle eine gewisse Erwartungshaltung. Aber ein Ironman-Bewerb direkt vor der Haustüre ist einfach genial, und ich denke, dass die Unterstützung der Zuschauer mich enorm anspornen wird, an meine Grenzen zu gehen.“

Welche wichtigen Wettkämpfe stehen heuer für dich an?

Lukas Hollaus: „Ich werde am 14. Juli beim Weltcup in Ungarn sein, danach voraussichtlich beim WM-Rennen in Hamburg. Im Herbst sind dann noch weitere Weltcup- und Europacupbewerbe geplant.“

Welche sportlichen Träume hast du?

Lukas Hollaus: „An den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro teilzunehmen!“

Und der Ironman auf Hawaii? Davon träumt jeder Triathlet! Du nicht?

Lukas Hollaus: „Hawaii ist viel mehr als nur ein Ironman! Es ist ein Mythos! Jetzt träume ich diesen Traum noch nicht, aber in einigen Jahren ganz bestimmt!“

Wie gehst du mit Niederlagen um?

Lukas Hollaus: „Niederlagen gehören zum Sport! Aus ihnen kann man viel mehr lernen, als aus Erfolgen! Sicher muss man Misserfolge erst einmal mental verarbeiten, aber sie dürfen einen nicht daran hindern, seinen Weg zu gehen. Danach schätzt man den Erfolg umso mehr!“

Welche Sportler imponieren dir?

Lukas Hollaus: „Es gibt viele Sportler, die mich inspirieren und faszinieren. Wenn du nach einem Vorbild fragst, würde ich am ehesten Roger Federer als solches bezeichnen.“

Du studierst Sportwissenschaften: Im wievielten Semester bist du?

Lukas Hollaus: „Ich bin im 12. Semester! Ich habe mein Sportstudium seit zwei Jahren fertig, muss es aber noch mit der Diplomarbeit abschließen, mit der ich im Sommer beginne. Seit 2 Jahren mache ich auch ein Sport- und Geografie-Lehramtsstudium, mit dem ich in zirka 2 Jahren fertig bin!“

Wie bringst du Freunde, Familie, Studium und Training unter einen Hut?

Lukas Hollaus: „Es ist nicht immer einfach, aber es ist möglich! Der Sport hat für mich absoluten Vorrang gegenüber dem Studium. Auf Familie und Freunde vergesse ich aber nie! Sie geben mir den nötigen Rückhalt, die Motivation und Anerkennung, damit ich täglich an meine Leistungsgrenzen gehen kann. Gerade im Ausdauersport ist man meist auf sich alleine gestellt, so sind mir meine Familie und Freunde besonders wichtig.“

Würdest du sagen, dass dein sportlicher Ehrgeiz sich auch im normalen Leben bemerkbar macht? Bist du zielstrebiger als andere?

Lukas Hollaus: „Auf alle Fälle. Ohne meine Disziplin und meinen Ehrgeiz hätte ich das Studium der Sportwissenschaften sicherlich nicht in der Mindestzeit geschafft. Was ich mir in den Kopf gesetzt habe, verfolge ich mit vollstem Einsatz. Mein Motto lautet: Halbe Sachen bringen nichts!“

Wie sieht dein Ernährungskonzept aus?

Lukas Hollaus: „Ich ernähre mich bewusst und gesund, lerne ständig dazu, was meinem Körper gut tut, und was er weniger verträgt. In intensiven und umfangreichen Trainingsphasen achte ich auf eine ausreichende Zufuhr von Kohlenhydraten, um meinen, ohnehin schon geschundenen, Körper nicht noch mehr zu belasten. Nähert sich die Wettkampfphase, esse ich am Abend nicht mehr allzuviel - eher Eiweißreiches mit wenig Kohlenhydraten. Auf zuckerhaltige Nahrung verzichte ich, so gut es geht, generell. In den letzten 3 Tagen vor dem Rennen gilt es, meine Kohlenhydratspeicher ordentlich aufzuladen, um im Wettkampf genügend Energie zur Verfügung zu haben. Dann ernähre ich mich ballaststoffarm, esse Lebensmittel, die ich sonst eher meide, zum Beispiel Weißbrot. Während des Bewerbes nehme ich höchstens 2 Energiegel zu mir!“

Fühlst du dich als Triathlet mit deinen sportlichen Leistungen in der Öffentlichkeit ausreichend gewürdigt?

Lukas Hollaus: „Der Triathlonsport erreicht immer mehr die Öffentlichkeit, das Interesse an ihm wächst stetig. Wenn man sich die Teilnehmerzahlen bei Triathlonbewerben, speziell in Österreich, ansieht, kann man einen enormen Ansturm beobachten. Nicht selten sind die Rennen innerhalb kürzester Zeit ausgebucht! Leider ist unser Sport im Fernsehen noch wenig präsent, was sich hoffentlich bald ändern wird. Dann würde nämlich der Marktwert von uns Triathleten enorm steigen, und wir könnten besser von Sponsorengeldern leben. Die Preisgelder sind leider noch nicht auf dem Niveau, dass sie die hohen Trainings- und Reisekosten abdecken würden. Man sieht: Des Geldes wegen darf man den Triathlonsport nicht betreiben! Der Stundenlohn eines Triathleten liegt klar unter dem gesetzlichen Mindestlohn!“ ;-)  

Wie stehst du zum Thema Doping, welche Strafe wünscht du dir für Sünder?

Lukas Hollaus: „Leider begleitet uns Sportler dieses Thema ständig. Ich denke, dass gerade der Kampf gegen Doping speziell in den letzten Jahren an Fahrt aufgenommen hat. Dennoch wird es immer schwierig sein, alle Sünder aufzudecken! Ich bin der Meinung, wenn ein Sportler hundertprozentig des Dopings überführt wurde, hat er im Profisport nichts mehr verloren!“

Bist du schon mit Dopingsündern in Berührung gekommen?

Lukas Hollaus: „Nein, in keinster Weise! Für mich ist diese Thematik ganz weit weg. Wenn ich jedoch von aufgedeckten Fällen erfahre, erschüttert es mich zutiefst, dass ein Athlet zu so einem Betrug in der Lage ist. Leider gibt es überall schwarze Schafe - nicht nur im Sport!“

Hattest du schon mal eine größere Panne im Wettkampf?

Lukas Hollaus: „Eine? Ich könnte ein ganzes Buch schreiben! :-) Das Schlimmste, das mir in einem Wettkampf passiert ist, war, dass ich auf der Radstrecke, gleich zu Beginn, einen Schuh verlor! Dazu muss man wissen: Die Radschuhe sind schon vorher am Rad montiert, wir ziehen sie erst auf den ersten zwei Kilometern an, stehen bis dahin nur auf den Schuhen. Gut! Auf jeden Fall musste ich die gesamten 40 Kilometer mit nur einem Radschuh absolvieren. Man kann sich vorstellen, wie es schmerzt, wenn man barfuß voll auf ein Klickpedal tritt… Ich konnte den Bewerb - es war der Europacup in Brünn 2010 -  aber noch als 9. abschließen. Eigentlich unglaublich! Das Gehen fiel mir in der darauffolgenden Woche aber etwas schwer!“ :-)     

Interview: Silke Burgsteiner | Fotos: Privat

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