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Mit dem Bully auf der Piste!

titelpistenraupe

Die Heinzelmännchen der Frau Holle

Wenn sich Katzen oder Raupen über Schneehänge wälzen, freut das den Skifahrer, der gerne über perfekt präparierte Pisten wedelt oder carvt. Eine Reportage über einen Pinzgauer Pistenraupenfahrer im Glemmtal.

Zum Start der heurigen Wintersaison hat sich Frau Holle ja ziemlich bitten lassen. Dann aber hat die gute Dame, gerade im Pinzgau, kräftig Hand angelegt und eine dicke, schneeweiße Decke über die Landschaft gebreitet. Und wenn Frau Holle über Nacht besonders aktiv ist, dann sind auch die nachtaktiven Heinzelmännchen gefordert. Lange vor Tagesanbruch läuft die Arbeit der Pistenraupenfahrer auf Hochtouren.

Cornel Eder ist gebürtiger Viehhofner, Frühaufsteher und schon seit fast 40 Jahren bei den Bergbahnen im Glemmtal tätig. Natürlich hatte Cornel schon als kleiner Bub Bretteln an den Beinen, musste sich damals seine Spur aber noch selber treten, bevor die ersten Schlepplifte in Saalbach-Hinterglemm errichtet wurden. Cornel: „In den 1970er-Jahren war das Skigebiet noch ein Minigebiet. Die erste Pistenraupe kam auf ein Gewicht von vier Tonnen. Heute wiegt die modernste Raupe 12 Tonnen und kostet um die 350.000 Euro.“ Je nach Ausstattung entspricht das den Kosten für zwei bis drei Porsche.

Cornel Eders Arbeitstag beginnt bei Neuschnee pünktlich um 4:00 Uhr früh. Bis spätestens 8:30 Uhr müssen die Pisten glattgebügelt sein, denn die Skifahrer werden immer anspruchsvoller und erwarten morgens perfekte, butterweiche Pisten. Cornel Eder ist gelernter Mechaniker, was vor allem bei der Wartung und Reparatur der Pistenmaschinen von Nutzen ist. Früher nannte man diese Wundermaschinen auch Pistenraupen oder Pistenkatzen. Cornel Eders Einsatzgebiet ist der Schattberg, der vom Pistenraupenfahrer besonders viel Erfahrung verlangt. Überhaupt ist es unglaublich, dass so eine Pistenraupe Steilhänge wie den Schattberg Nord bewältigen kann. Als große Hilfe im steilen Gelände dienen heutzutage sogenannte Windenmaschinen, also Pistenraupen, die am Seil fahren.

Die heutigen Pistenraupen sind wahre High-Tech-Maschinen. Cornel Eder fährt am Schattberg sozusagen den Rolls-Royce unter den Pistenraupen - in Ferrari-Rot, mit 500 PS. Als laienhafter Co-Pilot fühlt man sich fast wie im Cockpit eines Flugzeugs. Volant, Schalthebel und Bordcomputer im Pisten-Bully mögen an die Instrumente eines Jumbo erinnern. Und man wird beim Fahren auch in die Rückenlehne gedrückt (was nicht an den durchschnittlich acht Stundenkilometern, sondern meist an der Steilheit der Hänge liegt).

Faszination Technik

Wie von Wunderhand betätigt, rotiert über der Raupe der Schwenkarm mit dem Stahlseil. Das andere Seilende hat Cornel händisch anzubringen, an gesicherten Pfosten am Pistenrand, an bestimmten Ankerpunkten oder auch an Bäumen, wie es zum Beispiel im steilsten Abschnitt der Strecke Schattberg Nord der Fall ist. Auf das Seil kommt eine Zugkraft von vier bis fünf Tonnen. Dieses Stahlseil reicht einen Kilometer und bedeutet für den Fahrer eine große Arbeitserleichterung. „Es ist zudem ein Sicherheitsfaktor, und außerdem werden damit auch die Pisten besser, weil der Schnee dort liegen bleibt, wo du ihn haben willst“, verrät Cornel.

Die heutigen Pistenraupen sind mit vielseitiger Technik ausgerüstet. Mit ihrem schaufelartigen, frontalen Schild kann die Raupe riesige Haufen von Neuschnee oder Schneeverfrachtungen verschieben. Der „Hinterteil“ der Maschine hingegen sorgt mit seinen Fräsen und Zacken für das Glätten und das bekannte Rillenmuster im frisch präparierten Schnee. Und alles funktioniert hydraulisch. Einen wahren Gewaltakt bedeutet es zum Beispiel, die Maschine im Stand zu wenden. Bei einer solchen Pirouette ist die Technik sehr gefordert und wird auch entsprechend beansprucht. Auch bei Nassschnee im Frühjahr sind mehr Kräfte als bei lockerem Pulver erforderlich. Cornel Eder: „Wenn die Nachttemperaturen auf -20 °C sinken, werden die Raupen vor ihrem Einsatz auch etwas vorgewärmt, das ist besser für die Hydraulik.“ Eine Pistenraupe absolviert pro Winter rund 800 Arbeitsstunden und hat eine Lebensdauer von rund zehn Jahren. Hin und wieder kommen die Raupen auch im Sommer zum Einsatz, etwa zum Reparieren von Zäunen oder bei Materialtransporten für Liftbauten.

Cornel Eder kennt seine Maschine wie seine Westentasche. „Man fährt immer dieselbe Raupe und pflegt sie auch entsprechend. Man passt auf sie auf, wie auf das eigene Auto.“ Der gelernte Mechaniker führt sowohl Reparaturen, als auch die Sommerrevision selber durch. Überhaupt ist Cornel ein gefragter Mann, auch am Handy: „Ja, hallo, hier Cornel. Oje, das Getriebe eines Skidoos ist kaputt.“ Unentwegt gibt es Entscheidungen zu treffen, Abstimmungen mit den Kollegen und vieles mehr. Nachdem er seine Maschine in der Garage am Schattberg geparkt hat, beginnt ein anderer Teil der Arbeit. Unter anderem sind Schneekanonen zu betreuen oder an andere Positionen zu transportieren.

Faszination Freiheitsgefühl

„Der Job ist schon recht abwechslungsreich, und man ist immer im Freien.“ Cornel Eder genießt dabei auch ein gewisses Freiheitsgefühl. Faszinierend und spürbar ist für einen Laien im Raupen-Cockpit, wie der Motor brummt und vibriert. Und wenn Cornel den Rückwärtsgang einlegt, fängt die Maschine nicht nur warnend zu piepsen an. Sie schaltet zur Sicherheit auch eine Kamera ein, und Cornel sieht auf seinem Bildschirm, was sich hinter der Walze abspielt. Geheizte Scheibenwischer sind ohnehin selbstverständlich, gegen den Blindflug im dichten Schneetreiben. Und auch bei Sonnenschein wird von der Walze immer Schnee aufgewirbelt. „Teuflisch ist der Tagnebel. Da sieht man sehr schlecht und muss schon einmal zehn Minuten abwarten, bevor es weitergeht. Nachtnebel ist mit den Scheinwerfern hingegen kaum ein Problem.“

Nach Betriebsschluss der Skilifte naht der Abendeinsatz der Pistenraupen, die schon startbereit am Gipfel stehen - wie auch Cornel und seine Kollegen. Obwohl Cornel das Panorama am Schattberggipfel natürlich schon auswendig kennt, genießt er das rosa Licht in der Dämmerung und lässt seinen Blick über die Berggipfel schweifen - Kitzsteinhorn, Großvenediger, Großglockner… Etwa um 16:30 Uhr fangen die Motoren der Wundermaschinen wieder an zu brummen und machen sich an das Bügeln der Pisten. Und je nachdem, wie fleißig auch Frau Holle hier mitmischt, kann eine Nachtschicht der Glemmtaler Heinzelmännchen schon bis Mitternacht dauern!

Text und Fotos | Doris Maier

 

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