Rudi, Rudi, gib Acht, dein Schnabel ist gar nicht sacht!

Es kann vorkommen, dass aus dem Kinderzimmer von Angelika Hollaus und Christian Breitfuß ein leicht krächzendes „Rudi, Rudi!“ zu vernehmen ist. „Aha“, denkt sich der Unwissende möglicherweise, „das erkältete Kind der beiden kann schon seinen Namen sagen.“ Nun, ganz so falsch ist der Gedanke auch gar nicht…
Seit Februar dieses Jahres bereichert Rudi das Leben von Angelika Hollaus und Christian Breitfuß. „Kurz vor seiner Ankunft haben wir klugerweise noch einen schönen, neuen Teppichboden im Kinderzimmer verlegt“, ärgern sich die beiden. „Nun müssen wir, im Bereich des Käfigs, großzügig Plastikmatten auflegen.“ Moment einmal! Käfig? Bevor ein Leser nun die Menschenrechtsorganisation „Amnesty International“ auf den Plan ruft, schnell die Erklärung: Rudi wird zwar verwöhnt und verhätschelt wie ein Menschenkind, ist aber keines! Rudi ist ein einjähriger Gelbbrustara, den „Angy“ und „Chris“ bei einem Züchter in Linz erworben haben. Mit dem Kauf des exotischen Vogels hat sich das Paar einen langgehegten Traum erfüllt: „Wir lieben Papageien, haben sie in Venezuela in freier Natur erlebt. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis wir - nachdem wir uns umfassend informiert hatten - einen zu uns nahmen“, erzählen die Bergstädter, deren Wohnung voller Papageienfiguren ist. „Rudi ist sehr zutraulich, dennoch wagten wir anfangs kaum, ihn aus dem Käfig zu nehmen. Wir wussten ja nicht, was er anstellen würde“, grinst Angelika während der Schützling, von dem die Rede ist, auf ihrer Schulter genüsslich eine Erdnuss massakriert. Inzwischen wissen die Papageien-Freunde ganz genau, was Rudi, einmal losgelassen, so alles anstellt. Die Liste der zerstörten Gegenstände ist lang. „Alles Wertvolle haben wir deshalb unerreichbar verstaut“, lacht Angelika Hollaus. Rudis Neigung, alles kaputt zu machen, jagte den Papageieneltern anfangs einen gehörigen Schrecken ein: „Wenn wir zur Arbeit gingen, sperrten wir Rudi in seinen Käfig. Anfangs ließen wir das Radio leise für ihn laufen, damit er sich nicht langweilte. Eines Tages war seine Käfigtür jedoch nicht richtig verschlossen, er entkam und zerlegte das Radiokabel“, erinnert sich die Kellnerin, die an diesem Tag, als hätte sie es geahnt, früher als sonst nach Hause kam, noch heute mit Gänsehaut. Später musste auch noch der Bezug des Bügelbretts daran glauben.
Rudi kann sogar Zähneputzen!
Wie verhält es sich eigentlich mit der sprichwörtlichen Geselligkeit der Papageien? Wäre es nicht wichtig und richtig ein Pärchen zu halten? „Der Züchter hat uns versichert, Gelbbrustaras könnten - im Gegensatz zu den Roten Aras - alleine gehalten werden, wenn man sich ausreichend mit ihnen beschäftige“, führen Angelika und Christian an. „Für uns ist aber klar, sollte Rudi sich einmal einsam fühlen, was man unter anderem daran erkennt, dass er sich die Federn ausrupft, besorgen wir ihm natürlich einen Partner!“ Das Haustier des Zeller Paares, das zwischen 70 und 80 Jahre alt werden kann, benötigt enorm viel Aufmerksamkeit und Zeit: „Rudi ist wie ein Kind! Wenn wir aufstehen, wartet er schon auf uns, um uns den ganzen Tag zu begleiten. Er sitzt beim Kochen auf meiner Schulter, lässt sich beim Fernsehen den Bauch kraulen...“, zählt Angelika auf. Und wie ein Menschenkind liebt es auch das Papageienkind, ins Freie zu gehen. „Bei schönem Wetter verbringen wir viel Zeit im Garten, Rudi klettert auf seinem Lieblingsbaum herum, spielt Ball oder macht Flugübungen“, erzählen die Vogel-Besitzer. „Einmal unternahmen wir einen Radausflug zum Badeplatz beim ,Haus Gabi’! Rudi saß auf meinem Arm, ließ sich den Fahrtwind durch die Federn wehen; im Lokal haben wir dann gemeinsam einen Salat gegessen. Wir sind halt eine richtig nette, kleine Familie“, lacht Angelika. Gibt es etwas, das Rudi - sein Wortschatz umfasst neben dem eigenen Namen noch das Wort „badi“ (baden) - besonders gut kann? „Er hat uns beim Zähneputzen beobachtet und sich die Technik sehr schnell abgeschaut. Jetzt sitzt er manchmal da, die Zahnbürste zwischen den Zehen, und poliert sich den Schnabel“, ist „Angy“ stolz auf ihren ebenso gelehrigen wie entzückenden, tierischen Mitbewohner.
Text: Susanne Flörl | Fotos Angelika Hollaus

